Contao – Der Geheimtipp unter den OpenSource CM-Systemen

10.02.2013 10.947 Aufrufe Web & Co 5,00 2

Mit dem Content-Management-System (CMS) Contao liebäugelte ich ja schon seit meiner gründlichen CMS-Recherche im Sommer 2009. Es machte richtig Spaß mit Contao zu „spielen“ und ich erstellte die Website für unseren Schwimmclub mit dem System, das damals noch TYPOlight hieß. Es fehlten dann aber die passenden Projekte und die Zeit um tiefer in das System einzusteigen. Irgendwann war es dann aber soweit: Ich nutzte die Freiräume meiner Papa-Auszeit und beschäftigte mich ausführlicher mit Contao!

Mit Contao Webseiten erfolgreich gestalten

Mit Contao Webseiten erfolgreich gestalten (© Addison-Wesley)

Zum (Wieder-)Einstieg setzte ich mir die damalige Langzeit-Support-Version, Contao 2.11, auf und schaute das Buch Mit Contao Webseiten erfolgreich gestalten von Thomas Weitzel durch, das ich mir damals bestellte. Das Lesezeichen steckte noch irgendwo mitten in Kapitel 8.
Es verblüffte mich erneut wie schnell und vor allem intuitiv mit Contao das Grundgerüst einer Website Formen annimmt. Bemerkung am Rande: Aus beruflichen Gründen arbeitete ich im Sommer 2011 das Buch Einstieg in TYPO3 4.5 durch. Augenscheinlich ist, dass man bei Contao mit Grundlagenwissen und Intuition schon recht weit kommt. Bei TYPO3 hingegen ist es spätestens bei den ersten TypoScript-Beispielen mit der Intuition vorbei und ich dachte mir des Öfteren: „Ist das denn nicht unnötig kompliziert?“. Mein Hauptproblem mit TYPO3 war jedoch, dass ich irgendwie nie so richtig das Gefühl hatte, die (volle) Kontrolle über das System zu haben. So kam es, dass ich bei TYPO3 immer mehr Frust verspürte, Contao hingegen weckte bei mir die Lust auf mehr. So, das war jetzt eigentlich schon wieder mehr als ich eigentlich dazu schreiben wollte…
Sind wir doch froh, dass wir diese Fülle an guten OpenSource CM-Systemen haben. Da ist für jeden Geschmack das Richtige dabei. Schlussendlich ist die Systemauswahl auch immer ein wenig von den jeweiligen Projektanforderungen abhängig.
So, jetzt geht’s mit Contao weiter!

Contao Community Documentation

Im nächsten Schritt verschaffte ich mir einen groben Überblick über die Inhalte der Contao Community Documentation.
Das Projekt wurde von engagierten Contao-Usern ins Leben gerufen und verfolgt das Ziel, Anwendern, Verwaltern und Entwicklern Informationen rund um das CMS zur Verfügung zu stellen. An dieser Stelle schon mal ein dickes Lob für die tolle Arbeit!

Das offizielle Contao-Logo
Das offizielle Contao-Logo

Ein Blick auf die verfügbaren Erweiterungen

Ein Content-Management-System lebt natürlich von der Vielfalt der bereits von der Community beigesteuerten Erweiterungen. Aktuell befinden sich im Extension Repository über 1.300 Erweiterungen, von denen die meisten zu Contao 2.11 kompatibel sind. Einige der Erweiterungen weckten bei mir spontan großes Interesse und diese musste ich natürlich gleich installieren und testen.

MetaModels

Mit der Erweiterung ist es möglich, eine Vielzahl von strukturierten Daten einzugeben und diese auf der Webseite nach verschiedenen Kriterien wie Listen- und Detailansicht, Filterungen, Sortierungen, Paginierungen, Mehrsprachigkeit u.v.a.m. wieder auszugeben.

MetaModels ist wahrlich eine sehr umfangreiche Erweiterung mit schier unendlichen Möglichkeiten. Vielleicht schafft es diese „Geheimwaffe“ auch mal direkt in den Contao Core!?

Isotope eCommerce

Isotope eCommerce ist ein vollständig integriertes Shop-System, exklusiv entwickelt für Contao OpenSource CMS. Es verwendet die bekannten Contao-Konzepte wie Listen-/Detail-Seiten für Produkte und integriert sich direkt in Ihr bestehendes Seitenlayout und Ihre Seitenstruktur.

Erster Eindruck: Isotope eCommerce ist sehr professionell, umfangreich und flexibel. Besonders die nahtlose Einbettung in das Contao-Backend ist der Hammer! Ich lernte auch einige Projekte kennen, bei denen eine „Zwangsheirat“ von TYPO3 und Magento vollzogen wurde. Gefühlsmäßig wäre Isotope hier auch eine denkbare Alternative gewesen und man hätte sich wohl einige Nerven gespart.

Contao: Ein Blick ins Backend
Ein Blick ins Backend von Contao 2.11.9

MemberGoogleMaps

Erweitert die Mitgliederliste um eine GoogleMap-Kartendarstellung mit Markierungen der in den Mitgliedsdaten angegebenen Adressen. Hinsichtlich der Darstellung wird zwischen einer Listen- und Detailansicht unterschieden. Ein weiteres Modul dient zur Kartendarstellung für ein einzelnes Mitglied, z.B. für eine individuelle Kontaktseite. Das Geocoding erfolgt auf Wunsch automatisch über das Backend sobald ein neues Mitglied mit Adressdaten angelegt wird.

Mit MemberGoogleMaps lässt sich in Kombination mit dem Modul Memberlist eine Händlersuche realisieren. Die Extension punktet dabei mit vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten und einer tollen Integration in Contao („Mitglieder“). Alternativ habe ich mir auch den Storelocator angeschaut, allerdings sind hier die „Out of the Box“-Features bei weitem nicht so ausgeprägt.

Contao Boilerplate

Im Rahmen der Contao-Konferenz 2012 wurde in einem Workshop ein Vorschlag für ein Contao Boilerplate vorgestellt. Ziel des Boilerplates ist es, bei neuen Projekten gleich mit einem vorausgewählten und vorkonfigurierten Set an nützlichen Erweiterungen zu starten um somit Zeit zu sparen. Es lohnt sich auf alle Fälle die Zusammenstellung mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen!

Contao Website
Contao Website

Contao 3

Contao 3 ist seit 30. Oktober 2012 verfügbar. Der Zweig wird aktiv entwickelt und alle sechs Monate kom­men neue Funktionen hinzu. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

  • Allgemeine Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit
  • Datenbankgestütztes Dateisystem
  • Bessere Unterstützung bei der Erstellung mobiler Webseiten
  • jQuery als alternatives JavaScript-Framework im Frontend
  • Verbesserte Handhabung von Bild-Metadaten
  • HTML5-Videoplayer und Content-Slider direkt im Core
  • Benachrichtigungsfunktion für Kommentare

Bevor man zu Contao 3 greift, sollte man sich jedoch im Klaren sein, dass viele der Drittanbieter-Erweiterungen noch nicht auf Contao 3 portiert wurden, da das – je nach Komplexität der Extension – mit einem nicht unwesentlichen Arbeits- und Testaufwand verbunden ist.

Contao Themes

Contao ist für mich ein Werkzeug zur Umsetzung von individuellen Websites. Für „1, 2, 3: Fertig“-Websites ohne persönlicher Note gibt es andere Systeme. Dennoch tummeln sich jetzt immer mehr Seiten, die auch für Contao sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Themes anbieten. Ein Theme besteht in Contao aus Stylesheets, Frontendmodulen, Seitenlayouts, diversen Dateien (z.B. Layout-Grafiken) und optionalen Templates, falls das jeweilige Standard-Template nicht den gewünschten Output liefert.
Praktisch: Seit Contao 2.9 können solche Themes als .cto-Datei (technisch gesehen nur ein ZIP-Archiv) über den Theme-Manager im Backend importiert werden – ein Export funktioniert natürlich auch.

Responsive Contao Theme
Responsive Contao Theme Quelle: RockSolidThemes.com

Hier mal ein paar ausgewählte Seiten mit Contao Themes:

Voller Stolz stelle ich fest, dass die meiner Meinung nach besten Contao Themes aus Österreich kommen!

Contao auf der CeBIT

Auf der CeBIT 2013 teilten sich erstmalig 13 ausgewählte OpenSource Content Management Systeme einen gemeinsamen Stand. Unter dem Aufhänger CMS-Garden wurde jedes der Systeme von einigen „Botschaftern“ repräsentiert. Die große Gartenschau der OpenSource CM-Systeme stellt dabei primär die Stärken und Besonderheiten der Systeme in den Vordergrund. Abgerundet wird die Veranstaltung durch eine CMS-Competition. Hierbei wird den jeweiligen Vertretern der Systeme die gleiche Aufgabe gestellt, deren Lösung öffentlich vor dem Publikum präsentiert wird. Neben Contao waren noch folgende CM-Systeme mit dabei: CONTENIDO, django CMS, Drupal, Joomla!, MODX, OpenCms, papaya CMS, Plone, REDAXO, ScientificCMS, TYPO3 und WordPress.
Nettes Detail am Rande: Der CMS-Garden-Shop für den Anzeigenverkauf wurde mit Contao und Isotope eCommerce umgesetzt!

CMS-Garden auf der CeBIT 2013
CMS-Garden auf der CeBIT 2013

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2 Kommentare
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  • Christian 16.05.2013

    Vielen Dank für diesen ausführlichen und gelungenen Artikel. (5 Sterne!!)
    Ich bin inzwischen auch bei Contao hängen geblieben.

    Bei TYPO3 waren zudem die Anforderungen an den Webserver zu hoch.

    Antworten
    • Gusti Golser Gusti 16.05.2013

      Danke für das positive Feedback und weiterhin viel Spaß mit Contao!

      Antworten

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